Dr. Yuki Henselek, Geschäftsführerin des Bioland Landesverbandes Niedersachsen/Bremen
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Yuki Henselek ist Geschäftsführerin des Bioland Landesverbandes Niedersachsen/Bremen und Mitinitiatorin des Modell-Ackers. In diesem Interview gibt sie Einblicke in die Entstehung des Praxisprojekts Riepholmer Modell-Ackers.

Was war der erste Moment, in dem die Idee zu dem Modell-Acker aufkam?

Nachdem unser Gründungsmitglied Lüder Bremer – einer der alten Bioland-Pioniere hier in Niedersachsen - vor zwei Jahren starb, meldete sich seine Nichte Nadia kurze Zeit später bei uns. Nadia Bremer ist selber keine ausgebildete Landwirtin, es war ihr aber wichtig, dass der Betrieb von Lüder in seinem Sinne weiter bewirtschaftet wird. Sie fragte uns, ob es eine Möglichkeit gäbe, gemeinsam sein ideelles Erbe weiterzutragen. Etwa zur gleichen Zeit entwickelten wir auf unserer Teamtagung Anfang 2020 im gemeinsamen Brainstorming die Vision eines eigenen Versuchsbetriebs. Dass Nadias Anfrage und unsere Idee eines Versuchsbetriebs etwa zeitgleich zusammenkamen, war dann wirklich eine glückliche Fügung.

Von Anfang an war klar, dass dort allerdings keine klassischen landwirtschaftlichen Versuche rein auf Produktionsebene stattfinden sollen – die werden ja bereits durch andere Stellen abgedeckt. Bei Bioland geht es uns vielmehr darum, gesellschaftlichen Fragen zu begegnen. Das macht uns aus: Bioland ist die treibende Kraft für die Landwirtschaft der Zukunft.

Und wie war dann der Weg dorthin? Was musste alles passieren, damit der Modell-Acker Wirklichkeit wird?

Von der ersten Idee bis zur Umsetzung gab es viel zu tun! Wir mussten uns zunächst die Flächen und die Begebenheiten vor Ort anschauen und sehen, inwieweit Nadias Ideen und unsere Ideen zusammenpassen. Gemeinsam haben wir dann das jetzige Konzept entwickelt. Dass die Flächen zum Beispiel von außen so gut zugänglich und einsehbar sind, hat es erst ermöglicht, den Modell-Acker gleichzeitig zum Schauacker für die interessierte Öffentlichkeit zu machen.

Wir mussten außerdem jemanden finden, der regelmäßig zwei weitere wachsame Augen auf den Modell-Acker hat und zugleich über eine möglichst große Erfahrung mit den örtlichen Begebenheiten und Sonderkulturen verfügt. Außerdem sollte diese Person idealerweise einzelne und wahrscheinlich sehr kleinteilige Arbeitsschritte auf den Flächen durchführen. Diese Rolle hat dankenswerter Weise Olaf Wilkens übernommen. Ein Finanzierungskonzept musste erstellt und Sponsoren mussten gefunden werden. Alle Beteiligten mussten sich untereinander abstimmen und einen gemeinsamen Weg finden. Das war ein langer aber gleichzeitig auch ein sehr schöner Weg.

Welche Personen haben sich um den Modell-Acker besonders verdient gemacht?

Die treibende Kraft ist Nadia Bremer. Ohne Olaf Wilkens und seine Hilfsbereitschaft wäre der Acker auch nicht möglich geworden. Unser Vorstandsvorsitzender Albert Haake hat sich sehr für das Projekt eingesetzt. Und unser Ackerbauberater Morten Wehland betreut den Acker fachlich. Ganz großer Dank gebührt allerdings auch Lüder Bremer, dessen Erbe wir für dieses Projekt nutzen dürfen.

Welche Sponsoren haben sich bereit erklärt, den Modell-Acker zu unterstützen?

Die Bohlsener Mühle hat einen großen Anteil der Kosten übernommen, ihr Engagement machte den Start überhaupt erst möglich. Toll ist, dass sie bereits für das zweite Jahr eine Unterstützung zugesagt hat. Auch die Backstube Bremen sowie eine Psychologie-Praxis und der Samenhandel Camena Samen unterstützen das Projekt.

Der Modell-Acker passt besonders gut zur Bioland-Philosophie, weil…?

…er produktionstechnische Fragestellen mit gesellschaftlichen Fragestellungen verbindet. So können wir die Landwirtschaft der Zukunft gestalten. Wichtig ist dafür auch die Kommunikation mit der Öffentlichkeit. Wir wollen nicht nur Erzeuger und Verarbeiter für die Themen Landwirtschaft im Klimawandel und Sonderkulturen begeistern, sondern auch Bürgerinnen und Bürger. Das können wir zum Beispiel durch die Anbindung an die Nordpfade erreichen. Glücklicherweise liegt unser Modell-Acker direkt an einem beliebten Wanderweg der Nordpfade, einem Netz von Wanderwegen durch Norddeutschland. Die Besucher sollen ansehen und erleben können, was Biolandbau bedeutet. Wir wollen Bioland erfahrbar machen. Mit dem Modell-Acker bleiben wir Pioniere der Landwirtschaft. Das waren immer die Kernaufgaben von Bioland: sich weiterentwickeln und sich den Herausforderungen der Zeit stellen.

Wir sind sehr dankbar, mit dem Modellacker die Möglichkeit dafür zu haben. Das Team in Visselhövede steht voll hinter dem Projekt. Es ist einfach toll zu sehen, wie die Idee, die unser Team entwickelt hat, sich noch weiterentwickelt und nun umsetzen lässt und volle Unterstützung erhält.

Wie sieht die Zukunft des Modell-Ackers aus?

Der Modell-Acker geht in diesem Jahr an den Start. So richtig erfahrbar und erlebbar wird er dann im Frühsommer und Sommer werden. Dann werden wir Feldtage und weitere Veranstaltungen organisieren sowie weitere Sponsoren gewinnen. Wir müssen den Modell-Acker jetzt finanziell auf feste Füße stellen. Er muss sich etablieren, damit wir auch längerfristig weitere Sorten dort modellhaft anbauen können. Die Anbindung an die Nordpfade steht noch bevor mit dem Aufstellen von Schautafeln und der Entwicklung von Formaten für Bürgerinnen und Bürger. Denkbar ist auch, dass wir die Fragestellungen, die wir dort untersuchen, noch weiter ausbauen werden.

Gibt es auch Pläne für einen Modell-Tierbetrieb?

Ein Modell-Tierbetrieb ist erstmal nicht in Planung. Allerdings kann er jederzeit mitgedacht werden, wenn sich dafür eine passende Gelegenheit ergibt.

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